27. und letzte etappe: altenberg – köln, 22 km, mi 11.07.2018

wir haben es geschafft. wir sind in köln angekommen.

nochmals gab es natur und schöne wege.

und das schloss strauweiler im tal der dhünn. wohl früher ein beliebtes zeichnungs- und malobjekt der düsseldorfer kunstakademie.

im dhünntal lebt auch der schöne eisvogel und wir haben ihn doch tatsächlich gesehen. zumindest sahen wir einen türkisenen punkt, der pfeilgerade aus der bachböschung in den wald flog, das muss ein eisvogel mit seinem türkisenen gefieder gewesen sein.

und weiterhin schönste pfade

im idyllischen weiler stein, dann noch das kurios kreatve historische mühlen und modellmuseum.

in odenthal noch eine wunderschön schlichte romanische kirche

und dann hatte uns die stadt wieder

es dauerte ganz schön lange, bis wir den rhein erreichten und den kölner dom in der ferne sahen.

langsam kam er immer näher:

und dann, als wir über die hohenzollernbrücke kamen, stand er direkt vor uns. wir hatten das zentrum von köln erreicht.

ganz schön duster, nicht zu vergleichen mit den romanischen frühmittelalterlichen kirchen, ist dieser gotische riesige koloss. und doch ist auch er sehr beeindruckend.

und natürlich das fenster von gerhard richter, genial:

das war sie, unsere diesjährige pilgerewanderung. fast 600km waren es diesesmal, aber sie liegen mir schwerer in den beinen als die frühren pilgerwanderungen.

zum schluss eine weisheit von bernhard von clairvaux „ein guter weg ist der weg der demut, auf dem man nach der wahrheit sucht, die liebe etwirbt und an den früchten der weisheit teilnimmt.“

(aus dem traktat „die stufen der demut und des stolzes“, kap. 2)

jetzt erholen wir uns noch ein paar tage in köln und freuen uns auf unsere freund_innen, auf literatur, kunst und kino, aufs eva und alles, was uns in berlin erwartet.

und können dennoch dem aufruf auf der infotafel des sauerländischen gebirgsvereins nur zu stimmen: „bleibe fit, wandere mit! “

in diesem sinne: erkenntnis des tages: nach dem camino ist vor dem nächsten camino!

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26. etappe: lennep – wermelskirchen – altenberg, 17 km, di 10.07.2018

beine wie gummi, knie wie pudding und füsse wie kugeln nach dieser wieder sehr schönen wanderung von wermelskirchen nach altenberg.

wie gut, dass wir schon bei der planung beschlossen hatten, nicht die ganzen 26 km zu gehen. allerdings war die idee dahinter, frühzeitig in altenberg anzukommen um zeit für den dom zu haben. wie gut, denn allein schon die 17 km entlang der eifgen durch das malerische eifgental schien uns kein ende zu nehmen.

ein brückchen wechselte das andere ab. in verschlungen kurvenreicher wegführung schlängelte sich der weg und zog sich.

wir wähnten uns irgendwann in einer möbiusschleife und alle ausflugsgaststätten sind dienstags zu. also auch heute keie bergischen waffeln, leider.

viele bäume liegen entwurzelt im wald

oder versperren gar den wanderweg. über diese beiden mussten wir regelrecht drüber klettern.

aber dann, schon fast auf dem zahnfleisch gehend erreichten wir doch noch altenberg.

und der dom, was für eine schlichte schönheit?

eine organistin improvisierte aufs modernste auf einer sehr besonderen orgel, wir genossen dankbar und lauschten den klängen.

und zwei beeindruckende skulpturen von werner franzen haben es mir auch noch angetan.

hier nächtigen wir in der katholischen jugend begegnungsstätte und wurden herzlichst empfangen, aufs leckerste verpflegt. und jetzt bieten sie uns auch noch public viewing des 1. wm halbfinale. die katholen wissen das leben zu feiern. allez les bleu!

erkenntnis des tages: viel öfters dankbar sein!

25. etappe: gevelsberg – lennep, 25,1 km, mo 09.07.2018

mit dem bisher stilvollsten und leckersten frühstück gestärkt, ging es auf eine weitere anstrengende, lange und sehr schöne bergetappe nach lennep.

über wieder schönste waldwege ging es berg auf und ab erst nach schwelm, dann wuppertal beyenburg und frielinghausen nach lennep.

ein kranich flog beim haus martfeld in schwelm gerade los…

und wir zogen weiter: fast 600 höhenmeter im aufstieg und 500 im abstieg gingen uns dann doch schön in knie und beine, so dass ich mich hier damit begnüge ein paar wegebilder zu posten. für geistreiches und hintergrund bin ich viel zu müde.

manchmal steht mensch vor zwei wegen, welcher ist nun der jakobsweg? manchmal sind die kennzeichnungen verlässlich und manchmal sind wir um die gps daten auf dem handy dankbar. hier wars der linke…

hier hinter den hecken verbirgt sich der jüdische friedhof von schwelm.

leider verschlossen und den schlüssel hätten wir in der stadt holen müssen, der friedhof liegt aber weit ausserhalb der stadt. also musste ein zaunblick genügen:

der weg war lang und anstrengend, so dass ich auch heute keine einzige skizze geschafft habe, leider…

auch die ausblicke waren vom feinsten. von oben sieht man weit.

beyenburg an der wupper:

an der wupper entlang

und weiters mit schönen ansteigenden wegen:

diese schönen wege bin ich heute wieder vollständig mit den barfussschuhen gelaufen. solche wege fühlen sich damit super an. gleichwohl gehe ich noch zu sehr im hackengang damit und die füsse sind müder als in abgefederten schuhen. aber sie sind auch wacher und angeregter.

und dann laufen wir müde, aber erfüllt und glücklich in lennep ein. und sind überrascht, erfreut und beeindruckt von diesem schönen örtchen.

die grauen schieferschindeln sind ganz typisch fürs bergische land.

und jetzt fallen wir müde ins bett.

erkenntnis des tages: laufen ist einfach wunderschön.

24. etappe: herdecke – gevelsberg, 24,2 km, so 08.07.2018

das war zwar eine anstrengende, aber auch eine der schönsten etappen.

sie begann mit dem überqueren der ruhr und führte uns über schönste waldwege teilweise stark an- und absteigend am ende nach gevelsberg.

zunächst aber erreichten wir den güterbahnhof hagen-vorhalle:

dieser güterbahnhof ist beeindruckend. er ist einer der grössten deutschlands, ist für das ruhrgebiet und das sauerland von wesentlicher bedeutung und ist dennoch bedroht. er wurde bereits 1910 in betrieb genommen und 2004 bis 2006 modernisiert. doch die rückverlagerung des güterverkehrs auf die strasse könnte zu seiner schliessubg führen.

und wieder hatte uns der wald und wir die freude mit ihm.

in hagen haspe gönnten wir uns in der super bestückten und eingerichteten stadtbäckerei eine erste kaffeepause. in haspe hat die firma brandt noch ihren geschäftssitz, auch wenn die zwiebackproduktion längst in die neuen bundesländer verlegt worden ist.

und weiter ging es im wald rauf und runter. wir umkreisten auf einem art höhenweg mehrere berge und hatten beste ausblicke auf die orte im tal und die gegenüberliegenden berge.

und es gab sogar pferde im wald.

mit dem erreichen des gevelsberger stadtwaldes gelangten wir in das schwelmer neue forsthaus. ein idyllischer ort an einem wildgehege, in dem eine oma mit enkelin ein sommercafe betreibt.

die oma backt waffeln und servierte uns den leckersten sanften engel (vanilleeis in orangensaft), den wir je hatten. das ist ein traumhaft schöner und leckerer ort.

kurz darauf passierten wir eine pilgerpass stempelstelle, aber leider war sie verweist.

es mussten nochmals drei berge halb bestiegen und auf halber höhe umrundet werden, ehe es erst hinunter in die stadt gevelsberg und in ihr wieder hoch ging. die geschichte gevelsberg beginnt um 1225 mit einem mord. der kölner erzbischof engelbert soll damals in einem hohlweg am „gievlberch“ von einem verwandten ausgeraubt und getötet worden sein. an der stelle des überfalls wurde 1230 ein sühnekloster gegründet. darum herum entstand dann die stadt gevelsberg.

vorbei an einer ehemaligen kornbrennerei verliessen wir die stadt wieder und stiegen einmal mehr steil auf zu unserer unterkunft ca. 2 km ausserhalb der stadt.

hier geniessen wir einen beeindruckenden ausblick und freuen uns den letzten anstieg morgen nicht mehr gehen zu müssen.

nachdenklich gestimmt haben uns die orte, durch die wir heute kamen. viel leerstand, viel heruntergekommene häuser und bausünden der 70er jahre. wir würden vertreter_innen aller parteien empfehlen sich mal in solchen orten aufzuhalten und zu erfahren, wo der schuh drückt. asylgesetzgebung ist bestimmt nur ein ventil, an dem sich leicht der ärger und das gefühl zu kurz zu kommen, abreagieren lässt. es ist für niemanden eine lösung sich fremden gegenüber abzuschotten. die geflüchteten sind nicht das problem, sondern die sozialstrukturen und das gemeinwesen.

erkenntnis des tages: bergziege bleibt bergziege. oder trivialer: die landschaft, in der die wiege gestanden hat, bleibt einem die vertrauteste. oder nochmals präziser: landschaft ist ein sozialisationsfaktor und sozialisation prägt uns menschen ganz wesentlich.

23. etappe: schwerte / ergste – herdecke, 15 km, sa 07.07.2018

die skulptur „jakobsleiter“ von karl imfeld von 2002 steht vor dem alten pfarrhaus und gehört zum segensweg in ergste. je ein bibelvers wurde von dem künstler an 12 orten in 12 jahren in einer skulptur interpretiert. hier: „ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“ 1. moses 32,27.

ein schnelles frühstück und ab auf die piste, auf den gut ausgeschilderten ruhrradweg. das hinderte uns aber dennoch nicht im trott der ausschilderung doch noch auf den ruhrhöhenweg zu geraten. zum glück bemerkten wir diesen irrtum bevor wir die syburg ganz erklommen hatten. ist ja zum glück ne kurze tour nach herdecke.

als wir die breite ruhr erreichten, gönnten wir uns in einem schönen biergarten erfrischung und ausblick.

kurz darauf überholte uns ein freundlicher radfahrer und hielt an. es war der vermieter der bauwägen in ergste. so erfuhren wir, dass er das alte pfarrhaus erst seit 2016 gemietet hat und unterkunft anbietet. wir können diese herberge, die mich an die spanische pilgerherbergen erinnerte, wärmstens empfehlen.

nun gab es neben dem asphaltierten radweg auch einen unbefestigten streifen für wandernde. das tut den füssen wohl und gibt platz fürs wandern.

an der ruhr erholen sich die anwohnenden auf den wiesen und auf dem wasser.

aber ganz langsam schieben sich auch industriebauten in die naturlandschaft. auch das ist interessant, und sehenswerte technikgeschichte.

so das koepchenwerk (pumpspeicherkraftwerk)

hier ein pumpen-vorstufenlaufrad aus dem koepchenwerk. das ist über 4000 kg schwer, ist 46 jahre alt und war 77000 stunden in betrieb.

kurz darauf passierten wir das laufwasserkraftwerk hengstey.

und dann waren wir schon in herdecke.

und wir wieder auf dem jakobsweg

nur noch 2667 km bis nach santigo de compostela.

leider war die aus karolingischer zeit stammende stiftskirche st. marien geschlossen. evangelische kirchen sind ja meistens zu.

also nur ein blick von aussen.

heute früh zu bett, denn morgen wartet eine anstrengend lange bergetappe auf uns.

22. etappe: fröndenberg / ruhr – schwerte – ergste, ca. 4 km, fr 06.07.2018

union fahrradwerke hier in schwerte. und dann ein bestricktes velo.

die etappe haben wir schon wieder wegen mir super verkürzt, denn der gestern erlaufene wolf brannte einfach noch zu dolle. weiss der geier, wieso mein körper dieses jahr so schlapp ist. er ist es und das muss ich wohl akzeptieren.

umso mehr genossen wir das glück, dass die kirche st. viktor wegen einer bevorstehenden trauung geöffnet war (eigentlich ist sie nämlich nur an den markttagen mittwochs und freitags geöffnet). denn die früh gotische kirche beherbergt wirkliche kulturschätze. was sind wir doch für glückspilze!

so etwa das fresko einer kreuzigungsgruppe von 1310. das sei das älteste gotische wandgemälde in westfalen.

in der kirche steht auch ein vergoldeter antwerpener flügelaltar aus dem 16. jahrhundert.

auch in schwerte bewundere ich wieder schönste fachwerkhäuser:

danach spazierten wir auf dem radweg der ruhr entlang nach ergste.

in ergste übernachten wir in dem bauwagen otto auf dem alten pfarrhausgelände. hier haben wir frankreich siegen und brasilien verlieren gesehen…

erkenntnis des tages: wer lernt anzunehmen, was im augenblick möglich ist, kann auch neues erleben.

21. etappe: werl – fröndenberg ruhr, 16 km, do 05.07.2018

in diesem haus ist barbara aufgewachsen. und wir wurden von den früheren vermietern ihrer wohnung mit einem köstlichen frühstück verabschiedet. das beste, netteste, leckerste und schönste bisher überhaupt!

stadtauswärts ging es zunächst an der mosche vorbei (übrigens die erste mosche in deutschland mit minaret) und dann mussten wir ein autobahnkreuz überqueren.

aber danach durften wir wieder auf schönen feld- und waldwegen nach fröndenberg wandern.

wir kamen durch schafhausen, bausenhausen und hohenheide ehe wir fröndenberg erreichten. leider waren sowohl die kirchen als auch die gasstätten am weg allesamt geschlossen. vor allem letzteres traf uns hart. denn das wetter war schwül heiss, die wege bergauf und -ab anstrengend und unser wasser fast aus und sehr warm. und ich hab mir in dieser feuchten hitze auch noch einen wolf gelaufen. selten hab ich mich so ins hotel gesehnt und geschleppt.

in fröndenberg dann die ersehnte erfrischung in kalten getränken und drogeriemärkten.

erkenntnis des tages: schmerzen sind nicht schön, aber schöne wege helfen schmerzen zu vergessen.