21. etappe: werl – fröndenberg ruhr, 16 km, do 05.07.2018

in diesem haus ist barbara aufgewachsen. und wir wurden von den früheren vermietern ihrer wohnung mit einem köstlichen frühstück verabschiedet. das beste, netteste, leckerste und schönste bisher überhaupt!

stadtauswärts ging es zunächst an der mosche vorbei (übrigens die erste mosche in deutschland mit minaret) und dann mussten wir ein autobahnkreuz überqueren.

aber danach durften wir wieder auf schönen feld- und waldwegen nach fröndenberg wandern.

wir kamen durch schafhausen, bausenhausen und hohenheide ehe wir fröndenberg erreichten. leider waren sowohl die kirchen als auch die gasstätten am weg allesamt geschlossen. vor allem letzteres traf uns hart. denn das wetter war schwül heiss, die wege bergauf und -ab anstrengend und unser wasser fast aus und sehr warm. und ich hab mir in dieser feuchten hitze auch noch einen wolf gelaufen. selten hab ich mich so ins hotel gesehnt und geschleppt.

in fröndenberg dann die ersehnte erfrischung in kalten getränken und drogeriemärkten.

erkenntnis des tages: schmerzen sind nicht schön, aber schöne wege helfen schmerzen zu vergessen.

20. etappe: soest – werl, 18 km, mi 04.07.2018

beim auslaufen von soest übers jacobitor steht ein pilgerbrunnen, sinnloserweise mit wasser, das kein trinkwasser ist. an pilger_innen ist bei dieser einrichtung wohl nicht gedacht worden.

begeistert nahmen wir dagegen zur kenntnis, dass in soest ein versuch gestartet wurde, fahrrad mit auto gleichberechtigt durch die stadt zu führen. leider scheint diese super idee, fahrräder in der mitte der strasse fahren zu lassen, gegen irgendwelche vorschriften zu verstossen und somit bald wieder abgeschafft zu werden. wir fänden das ein supermodell für berlin:

wider erwarten wurde der weg nach werl zu einer auch wegemässig sehr schönen etappe.

wenig strasse, oft sogar unbefestigte wege, teilstücke der alten wegeführung, die alte heerstrasse, noch ein echtes stück vom ehemaligen handels- und pilgerweg, dem hellweg:

durchaus mit historischen informationen und kultur: etwa der schlagbaum, wo ab dem mittelalter wegzoll zu entrichten war oder die skulptur „galgenvögel“ von fritz risken, die auf einem ehemaligem galgenplatz aufgestellt wurde.

und nur ganz kurz auch mal auf der b1:

aufgrund eines zufalls und glücks war die kirche st. andreas in ostönnen geöffnet und wir konnten die wunderschönen romanischen malereien und die älteste bespielbare orgel der welt sehen:

die örtchen mawike und westönnen waren schnell passiert und dann liefen wir schon auf werl zu, mensch beachte die turmsilhouetten:

der grüne sandstein, die kirchen, der friedhof, die fussgängerzone, kindergarten und schulen von barbara, alles da, erinnerungsbehaftet und doch auch verändert.

beherbergt und herzlichst aufgenommen wurden wir von den früheren vermietern von barbaras eltern. wir durften sogar die ehemalige wohnung besichtigen. und aufs köstlichste bekocht wurden wir auch. und ich erfuhr interessantes über die westfälischen schützenfeste und die werler geschichte. ein sehr schöner abend!

vielen dank an unsere netten gastgeber_innen für diese gastfreundschaft und diese wunderbare pilgerherberge!

erkenntnis des tages: gastfreundschaft und willkommenskultur ist balsam und ein riesen grosses geschenk!

19. etappe: erwitte – bad sassendorf – soest, di 03.07.2018

barbara hat heute geburtstag und zu diesem anlass nächtigen wir im besten haus am platz, im wilden mann.

doch davor galt es wieder befestigte feldwege zu überstehen.

mit einem umweg in den kurpark von bad sassendorf wollte mir barbara eine grosse saline präsentieren, aber wir hatten kein glück:

die saline war abgerissen und die neue, spektakulärere ist im bau.

also auf nach soest, eine wunderhübsche kleine pitoreske stadt. die wege waren nun sogar unbefestigt und sehr angenehm.

leckeres geburtstagsessen in der zweigstelle vom brauhaus zwiebel (bier ist sehr lecker, essen auch!) und verdauen des schweizerischen aus in der wm.

morgen dann auf nach werl, in barbaras heimatstadt.

erkenntnis des tages: jedes aus / ende ist auch immer ein neubeginn

18. etappe: geseke – erwitte, 13 km, mo 02.07.2018

nette cafegäste informierten uns, dass es den pilgerstempel im krankenhaus von geseke gebe.

einen letzten blick auf geseke hielt ich im skizzenbuch fest:

nun ja, heute wars soweit: die b1 erwartete uns. mal mit lastern, dann wieder fast ohne verkehr…

und die soester börde meldete sich an:

die fruchtbaren lössböden führen zu intensiver ackerbaunutzung und das bedeutet für uns flaches gelände und harte befestigte wege und zum ersten mal viel strasse gehen. gift für füsse und beine.

immerhin wir trafen auch auf eine echte pilger_innen raststätte, erinnerte mich an spanien. dank an familie otto, die hier wasser und rastmöglichkeit bereitstellt!

und eine witzige strassenkombi: barbara und maria an einer ecke:

das schönste an dieser bisher unschönsten etappe waren die zahlreichen kleinen orte, durch die wir kamen.

allen voran bökenförde mit seiner wunderschönen romanischen kirche st. dionysius. schlicht, schön renoviert und mit modernsten details ergänzt. aber auch die anderen örtchen machten freude auf diesem eher trostlosen weg. in ihnen gab es bäckereien, cafes, läden und vor allem offene, gesprächsfreudige menschen. den menschen hier scheint es mehrheitlich gut zu gehen und der westfale an sich scheint kontakt- und gesprächsfreudig zu sein.

erkenntnis des tages: öde wege sind perfekte lehrmeister, die eigenen aversionen zu konfrontieren und zu verarbeiten.

17. etappe: paderborn – salzkotten – geseke, 13 + 13 km, so 01.07.2018

die kultur gestern hatte es uns angetan. deswegen beschlossen wir den vormittag in paderborn zu verbringen und die ausstellung zu den romanischen malereien im stadtmuseum zu besuchen und dafür die ersten 13 km mit dem zug nach salzkotten zu fahren.

und das hat sich gelohnt. denn zusätzlich stellten handwerker_innen im hof die gwerke mittelalterlicher dombauhütten vor. das war informativ und hat spass gemacht. hier stellt barbara eine schieferschindel her.

in salzkotten – der ort heisst so, weil in früheren zeiten hier die kotten der salzsieder standen – ging unsere wanderung weiter.

informative nachbauten von wasserräder und gradierwerk erklären am jakobsweg die gewinnung von salz.

sehr schöne anlagen führten uns von salzkotten nach upsprungen durch bezaubernde naturschutzgebiete. hier in einer schnellen skizze festgehalten.

dann kamen die für die füsse belastenden befestigten feldwege. mais und stroh und männer mit grossen maschienen

in geseke gönnten wir uns leckerste pasta in der besten pizzeria des ortes. „da giorgio“ ist eine reise wert. und auch die alte ratsschenke, in der wir übernachten ist ein glücksgriff.

erkenntnis des tages: man denkt ja eh beim gehen, also kann man auch gleich positiv denken.

16. etappe: bad driburg – schwaney – paderborn, sa 30.06.2018

es wurde eine schöne, aber kurze etappe über das eggegebirge, die wasserscheide zwischen rhein und weser.

erst warnte uns der rezeptionist der jugendherberge vor der anspruchsvollen tour und dann merkten wir, dass wir doch mal wieder lust auf kultur und stadt hatten.

also namen wir den rat des jungen rezeptionisten an und fuhren von schwaney in die bischofsstadt paderborn.

wieder führten uns schönste wege zur iburg hinauf. hier wohnten im frühen mittelalter einsiedlerinnen, dann wurde ein kloster gebaut und später eine fluchtburg. zu sehen ist nur noch eine ruine. aber der ausblick ist fantastisch auf bad driburg zurück.

der anstieg war dann weniger anstrengend als befürchtet und weiterhin wanderten wir auf bezaubernden wanderwegen.

und wir trafen auch wieder auf found art.

mehr kunst und kultur genossen wir dann in der stadt. das hasenfenster aus dem 16. jahrhundert ist allgegenwärtig und in echt gar nicht so leicht im kreuzganghof des domes zu finden.

und dann trafen wir auf unserer erstes public viewing

und sahen mit den einheimischen frankreich gewinnen.

nur ich hab keine kunst gemacht.

erkenntnis des tages: wir müssen niemanden was beweisen und können laufen wie fahren wie wir wollen.

15. etappe: ovenhausen – brakel – bad driburg, ca. 14 km plus 13 km bahnfahrt, fr 29.06.2018

mit einem leckeren kuchenfrühstück der kleinen dorfbäckerei von ovenhausen starteten wir in eine bergige und heisse 15. etappe.

eine super gemeindeidee nehmen wir gedanklich mit: die mitfahrbank. wenn man sich darauf setzt, wird man von autofahrer_innen mit nach höxter genommen. es geht alles und auch ganz ohne facebook. wir sind begeistert!

wir aber müssen in die entgegengesetzte richtung. es ist schon morgens um 8 uhr heiss und der anstieg richtung brakel zieht sich…

aber es sind wieder schönste wege und der jakobsweg ist verlässlich ausgeschildert.

erst laubwald, dann mischwald und zwischendurch auch mal nadelwälder, von letzteren liegen viele entwurzelt rum. der kalkhaltige boden wird durch mineralreiches (saures) wasser unterspühlt. der wald in deutschland ist echt beeindruckend, darüber lässt sich gut sinnieren und bedichten.

wir treffen auf weitere wald wiesen felder sitzmöbel, ein beeindruckend grosses waldfahrzeug, eine kneippanlage und den kaiserbrunnen mit fürchterlich mineralhaltigem mineralwasser (soll heilsam sein bei nierenleiden und gicht, schmeckt aber so scheusslich salzig und schweflig, dass ich kaum einen schluck hinunter bekam)….

und dann beschliessen wir spontan nach der besichtigung von brakel den zug für die strecke nach bad driburg zu nehmen. in dieser hitze beginnen barbaras schuhe zu drücken und zu reiben.

wir kommen zum bahnhof von brakel und wie ein wunder fährt der zug richtung paderborn ein. ein blick genügt und wir entern den zug. 10 minuten später sind wir in bad driburg.

hier gibt es ein kino und ein schlichtes, nüchternes mahnmal, das an die vernichtung der jüdischen bürger_innen der ortes erinnert.

leider heute noch nichts gezeichnet, vielleicht gleich noch ins skizzenbuch was kritzeln?

erkenntnis des tages: wir dürfen uns auch was gönnen.