18. etappe: geseke – erwitte, 13 km, mo 02.07.2018

nette cafegäste informierten uns, dass es den pilgerstempel im krankenhaus von geseke gebe.

einen letzten blick auf geseke hielt ich im skizzenbuch fest:

nun ja, heute wars soweit: die b1 erwartete uns. mal mit lastern, dann wieder fast ohne verkehr…

und die soester börde meldete sich an:

die fruchtbaren lössböden führen zu intensiver ackerbaunutzung und das bedeutet für uns flaches gelände und harte befestigte wege und zum ersten mal viel strasse gehen. gift für füsse und beine.

immerhin wir trafen auch auf eine echte pilger_innen raststätte, erinnerte mich an spanien. dank an familie otto, die hier wasser und rastmöglichkeit bereitstellt!

und eine witzige strassenkombi: barbara und maria an einer ecke:

das schönste an dieser bisher unschönsten etappe waren die zahlreichen kleinen orte, durch die wir kamen.

allen voran bökenförde mit seiner wunderschönen romanischen kirche st. dionysius. schlicht, schön renoviert und mit modernsten details ergänzt. aber auch die anderen örtchen machten freude auf diesem eher trostlosen weg. in ihnen gab es bäckereien, cafes, läden und vor allem offene, gesprächsfreudige menschen. den menschen hier scheint es mehrheitlich gut zu gehen und der westfale an sich scheint kontakt- und gesprächsfreudig zu sein.

erkenntnis des tages: öde wege sind perfekte lehrmeister, die eigenen aversionen zu konfrontieren und zu verarbeiten.

17. etappe: paderborn – salzkotten – geseke, 13 + 13 km, so 01.07.2018

die kultur gestern hatte es uns angetan. deswegen beschlossen wir den vormittag in paderborn zu verbringen und die ausstellung zu den romanischen malereien im stadtmuseum zu besuchen und dafür die ersten 13 km mit dem zug nach salzkotten zu fahren.

und das hat sich gelohnt. denn zusätzlich stellten handwerker_innen im hof die gwerke mittelalterlicher dombauhütten vor. das war informativ und hat spass gemacht. hier stellt barbara eine schieferschindel her.

in salzkotten – der ort heisst so, weil in früheren zeiten hier die kotten der salzsieder standen – ging unsere wanderung weiter.

informative nachbauten von wasserräder und gradierwerk erklären am jakobsweg die gewinnung von salz.

sehr schöne anlagen führten uns von salzkotten nach upsprungen durch bezaubernde naturschutzgebiete. hier in einer schnellen skizze festgehalten.

dann kamen die für die füsse belastenden befestigten feldwege. mais und stroh und männer mit grossen maschienen

in geseke gönnten wir uns leckerste pasta in der besten pizzeria des ortes. „da giorgio“ ist eine reise wert. und auch die alte ratsschenke, in der wir übernachten ist ein glücksgriff.

erkenntnis des tages: man denkt ja eh beim gehen, also kann man auch gleich positiv denken.

16. etappe: bad driburg – schwaney – paderborn, sa 30.06.2018

es wurde eine schöne, aber kurze etappe über das eggegebirge, die wasserscheide zwischen rhein und weser.

erst warnte uns der rezeptionist der jugendherberge vor der anspruchsvollen tour und dann merkten wir, dass wir doch mal wieder lust auf kultur und stadt hatten.

also namen wir den rat des jungen rezeptionisten an und fuhren von schwaney in die bischofsstadt paderborn.

wieder führten uns schönste wege zur iburg hinauf. hier wohnten im frühen mittelalter einsiedlerinnen, dann wurde ein kloster gebaut und später eine fluchtburg. zu sehen ist nur noch eine ruine. aber der ausblick ist fantastisch auf bad driburg zurück.

der anstieg war dann weniger anstrengend als befürchtet und weiterhin wanderten wir auf bezaubernden wanderwegen.

und wir trafen auch wieder auf found art.

mehr kunst und kultur genossen wir dann in der stadt. das hasenfenster aus dem 16. jahrhundert ist allgegenwärtig und in echt gar nicht so leicht im kreuzganghof des domes zu finden.

und dann trafen wir auf unserer erstes public viewing

und sahen mit den einheimischen frankreich gewinnen.

nur ich hab keine kunst gemacht.

erkenntnis des tages: wir müssen niemanden was beweisen und können laufen wie fahren wie wir wollen.

15. etappe: ovenhausen – brakel – bad driburg, ca. 14 km plus 13 km bahnfahrt, fr 29.06.2018

mit einem leckeren kuchenfrühstück der kleinen dorfbäckerei von ovenhausen starteten wir in eine bergige und heisse 15. etappe.

eine super gemeindeidee nehmen wir gedanklich mit: die mitfahrbank. wenn man sich darauf setzt, wird man von autofahrer_innen mit nach höxter genommen. es geht alles und auch ganz ohne facebook. wir sind begeistert!

wir aber müssen in die entgegengesetzte richtung. es ist schon morgens um 8 uhr heiss und der anstieg richtung brakel zieht sich…

aber es sind wieder schönste wege und der jakobsweg ist verlässlich ausgeschildert.

erst laubwald, dann mischwald und zwischendurch auch mal nadelwälder, von letzteren liegen viele entwurzelt rum. der kalkhaltige boden wird durch mineralreiches (saures) wasser unterspühlt. der wald in deutschland ist echt beeindruckend, darüber lässt sich gut sinnieren und bedichten.

wir treffen auf weitere wald wiesen felder sitzmöbel, ein beeindruckend grosses waldfahrzeug, eine kneippanlage und den kaiserbrunnen mit fürchterlich mineralhaltigem mineralwasser (soll heilsam sein bei nierenleiden und gicht, schmeckt aber so scheusslich salzig und schweflig, dass ich kaum einen schluck hinunter bekam)….

und dann beschliessen wir spontan nach der besichtigung von brakel den zug für die strecke nach bad driburg zu nehmen. in dieser hitze beginnen barbaras schuhe zu drücken und zu reiben.

wir kommen zum bahnhof von brakel und wie ein wunder fährt der zug richtung paderborn ein. ein blick genügt und wir entern den zug. 10 minuten später sind wir in bad driburg.

hier gibt es ein kino und ein schlichtes, nüchternes mahnmal, das an die vernichtung der jüdischen bürger_innen der ortes erinnert.

leider heute noch nichts gezeichnet, vielleicht gleich noch ins skizzenbuch was kritzeln?

erkenntnis des tages: wir dürfen uns auch was gönnen.

14. etappe: neuhaus (holzminden – höxter – corvey – ovenhausen, 13 + 5 + ca. 5 km, do, 28.06.2018

leider immernoch kein internetzugang, bis bad driburg teilweise noch nichteinmal handy empfang.

hier der nachtrag von gestern. in der jugendherberge von bad driburg haben wir schnelles wlan.

bergfest oder halbzeit: 300 km liegen hinter uns, 300km noch vor uns.

heute wieder eine super etappe landschaftlich und kulturell. wald und weser sowie höxter und corvey.

das ehemalige kloster corvey besitzt das älteste noch fast vollständig erhaltene karolingische westwerk der welt und gehört zum unesco weltkulturerbe.

fassade, kirche, romanischer kreuzgang und vor allem die 15 zimmer umfassend bibliothek des schloss corvey hat uns sehr beeindruckt.

und hier meine zeichnungen:

anja niedrighaus, die fotojournalistin, die 2014 in afghanistan erschossen wurde, ist gebürtige höxterin. es soll ein fotoort in höxter zu ihrem gedenken gegründet werden.

und seit corvey sind wir zurück und wieder auf einem jakobsweg:

nachtragen will ich die bisher von uns vernachlässigte rubrik „erkenntnis des tages“. bei all unseren bisherigen langwanderungen hatten wir diese täglich geführt. mit einer allerweltserkenntnis, die wir heute aber wiedereinmal selbstverschuldet erleiden mussten, beginnen wir sie heute:

„abkürzungen können auch umwege sein“ oder anderst formuliert:

„experimente sind wichtig, können aber auch schief gehen“

13. etappe: lüthorst – holzminden neuhaus, 24 + 4 km, mi 27.06.2018

heute kaum internetzugang. darum nur soviel: wunderbare landschaft, naturschutzgebiete, ein hochmor, misch- und laubwälder und felder. keine strassen wege, dafür super wanderwege.

allerdings eine hammer-bergtour viele strenge, lange aufstiege und einige steile abstiege.

hinzu kamen überflüssige 2 km bergaufstiege, weil wir nicht genug aufgepasst hatten. diese 2 km mussten wir dann wieder absteigen ins hellenthal.

überraschenderweise gab es erst in hellenthal den geöffneten biergarten lönskrug und in silberborn dann die geöffnete gaststätte wilddiebstube. das tat gut, dort lecker zu essen, mit vier einheimischen das traurige deutschlandspiel zu gucken und die müden füsse auszuruhen.

ach ja, ich ging die fast 30 km in den barfussschuhen und das war toll!

am weg gab es schönste landschaften, gemachte und gefundene kunst und diverse wald und wiesenmöblierungen.

die

fotos dazu müssen nachgereicht werden, wenn es dann wieder internet gibt.

schön die schweiz ist im achtelfinal!

12. etappe: greene – lüthorst, 20 km, di 26.06.2018

die heutigen 20 km durch eine schöne hügelige landschaft fühlten sich durch die vielen an- und abstiege weit länger an.

kaum strassen, sondern wald und feldwege geleiteten uns durchs weser bergland. ein sehr schönes wandergebiet, nur ohne mitwander_innen.

allerdings fehlten manchmal auch die wege im wald. und so wurde der saukuhlenweg seinem namen mehr als gerecht:

wie haben wir das nur früher gemacht, als wir noch keinen gps tauglichen taschencomputer dabei hatten?

ansonsten aber heute perfektes wetter und schönste lanstriche. und einmal mehr bin ich von den farbfeldern der landwirtschaft begeistert. und wieder sehe ich darin die colored fields malerei:

und fortsetzung der waldmöblierung:

und auch found art gab es heute am weg:

wir kamen auch an gemachter kunst, dem konrad mätzig haus vorbei.

und durch viele kleine örtchen. in keinem gibt es infrastruktur. keine kneipen, keine einkaufsmöglichkeiten und fast nur schulbusse. das land stirbt und da wundert es fast nicht, dass die leute auf die afd hereinfallen. wo sind die spd oder cdu politiker_innen oder grüne und linke, die der landbevölkerung zuhören und lösungsansätze andenken? viel gelegenheit um über solche strukturschwächen nachzudenken bis wir am heutigen etappenziel, dem wilhelm busch örtchen lüthorst ankamen.

11. etappe: seesen – bad gandersheim – greene, mo 26.06.2018

in seesen baute heinrich steinweg seine ersten instrumente, an dieser ecke stand sein haus.

auch die fussballreporterin sabine töpperwien ist gebürtige seeserin.

langsam wurde es wärmer und trocken, so dass wir ab bad gandersheim die regenjacken ausziehen konnten.

schon von weitem konnten wir die doppeltürme des doms zu bad gandersheim sehen.

allein besuchen konnten wir ihn nicht, da es montag ist und die kirche montags geschlossen ist. diese evangelen!

das ist sehr schade, da bad gandersheim einer der zwei fixpunte unserer wanderung ist. als geburtsort unseres freundes michaels war bad gandersheim ein von anfang an gesetzter ort.

falls michael seine radtour in umgekehrte richtung zu uns nach berlin machen wird, wird bad gandersheim und werl, der geburtsort von barbara und damit der zweite fixpunkt unserer tour, einer unserer kreuzungspunkte sein.

also stadtbesichtigung ohne dom:

der jüdische friedhof:

von der ebenfalls geschlossenen st. georg kirche aus, zeigte sich uns ein schöner blick auf die dächerwelt des ortes. gelegenheit für eine erste skizze. aquarelliert im hotel:

roswitha von gandersheim gedenkstein und brunnen:

roswitha von gandersheim ist auch für die frauen geschichte wichtig: gelebt hat sie um 930 bis um 980, war kanonissin und schriftstellerin. damit war sie eine der wenigen schreibenden frauen ihrer zeit. sie schrieb in latein legenden und dramen und sie erlaubte sich dichterische freiheiten. sie richtete sich geziehlt an ihre zeitgenossinnen und rief diese auf, sich geistig und körperlich nicht vom mann beherrschen zu lassen.

und dann gingen wir auf dem roswitha von gandersheim pfad (ist auch der europäische fernwanderweg e11, kennzeichnung ergänzt durch ein r) weiter nach greene, unserem heutigen etappenziel.

wieder schöne wege und schöne landschaften:

einlaufen nach grene, foto, skizze (vor ort) und aquarell (im hotel)

und weil wir doch immer wieder gefragt werden, wie wir das mit den klamotten und der wäsche machen: ja wir waschen jeden abend, haben von allem ja nur 2 exemplare dabei. barbara ist immer zuständig, kreative aufhängungsmöglichkeiten zu improvisieren. wie z. b. hier in greene:

meine wanderstöcke sind dabei meistens hilfreich.

und noch ein waschtipp zum schluss: die klamotten, die gewaschen werden sollen einfach mit in die duschtasse legen, sich waschen und gemütlich unter dem warmen wasser stehend, die wäsche waschen. und ja man braucht nur eine gute seife für haar, haut und textil.

10. etappe: goslar – wolfshagen – seesen, ca. 15 km, so 24.06.2018

regen und mein fuss erlaubten uns schon wieder mit dem bus aus der stadt hinaus zu fahren.

wolfshagen hat eine interessante thomas kirche aus dem 18. jahrhundert. sympathisch auch, dass im vorraum wasser für durstige pilger_innen bereit steht.

die talsperre von wolfshagen ist interessant, aber nicht spektakulär.

in wolfshagen gibt es eine steinwegstrasse und einen steinwegwanderweg nach seesen. steinweg stammte aus wolfshagen und gründete in den USA die steinway flügel firma.

die ca. 15 km nach seesen führten mehrheitlich durch den schönen harzer wald. hier gibt es zahlreiche wanderwege, auch thematische, wir aber folgten dem altvertrauten europäischen fernwanderweg E11. es war eine erste bergetappe mit einem langen aufstieg auf 579m. ü. m. und einem steilen abstieg nach seesen hinunter.

mitten im wald sahen wir einen bussard, einen schwarzspecht und einen waldschrat. die ersten beiden waren schneller, als ich mit der kamera, nur letzter blieb standhaft stehen.

diverse sitzgelegenheiten und schutzhütte waren heute am weg, allein es war zu kühl zum verweilen.

aber diese bank soll die rubrik der waldmöbel eröffnen.

und so schöne blumen am wegesrand.

heute gab es keine kirschen, dafür aber erste himmbeeren und walderdbeeren.

nachtrag:

ich hatte vergessen zu berichten, dass wir gestern in wiedelah antifamässig noch zu tun hatten. irgendwelche braunen nazi gruppen hatten den ganzen ort mit naziaufklebern zu geklebt und wir haben sie um den dorfanger rum alle abgerissen und das braune zeugs entsorgt.

9. etappe: osterwieck – wiedelah/vienenburg – goslar, ca. 13 km, busfahrt und viele kms in goslar, sa 23.06.2018

der name hafenbar geht auf eine fotomontage von 1924 zurück. ein fotograf setzte den vogteiplatz unter wasser, eigentlich als werbung für das gasthaus hirschen in osterwieck. seither heisst das viertel unter den einheimischen hafenviertel. das betreiber ehepaar der hafenbar sind osterwiecker und seit 1990 betreiber der bar.

auch osterwieck hat eine romanische kirche.

im nieselregen und sehr kühler temperatur zogen wir los, richtung goslar. die harzer berge waren nur selten und nur schemenhaft zu erkennen. aber die wege waren wieder wunderschön. durch sanft hügelige felder zogen sie und wir auf ihnen dahin. eine sehr ansprechende landschaft, tolle farben oker gelb und tief dunkel grün. eigentlich genau richtig zum malen, allein es war zu nasskalt und auf den ganzen 12 km gab es keine einzige sitzgelegenheit.

drei stunden wanderten wir daher durch, überschritten die ilse und die oker (unbedingt die literaten lesen, die hier im harz wanderten und den harz bedichteten) und auch die innerdeutsche grenze.

die landschaft war wirklich bezaubernd einladend, aber das pausenlose durchwandern überlastete meinen angeschlagenen fuss.

so dass wir einmal mehr beschlossen schon von wiedelah an den bus zu nehmen. das ist nur unwesentlich früher, als wir sowieso geplant hatten den zug zu nehmen. denn osterwieck – goslar wären auf wanderwegen 31 km gewesen. das wollten wir uns aber nicht antun, weil wir ja unbedingt goslar besichtigen wollten.

was für ein schönes fachwekstädtchen. an allen ecken könnte und müsste ich zeichnen. aber es ist zu kalt.

und das ist das gästehaus schmitz fast direkt am marktplatz in dem wir heute in goslar übernachten.

auch goslar hat eine wunderschöne gotische kirche. die neuwerkkirche mit pilger stempelstelle, hier skizzierte ich sie in aller schnelle.

und zum schluss und spielbeginn, das katzenbild, das über dem innenhof unserer altehrwürdigen pension thront.